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Wer war Mathilde wirklich?

 

Eine detaillierte Fassung der Geschichte unserer Schule können Sie hier herunterladen

 

895   geboren als Tochter des sächsischen Grafen Thiederich und seiner Gemahlin aus dänisch-friesischem Adel. Sie entstammt dem Geschlecht des sächsischen Heerführers Widukind. Ihre Erziehung erfolgt im Herforder Kloster, dessen Äbtissin ihre Großmutter war.
909  
Heirat mit dem sechsunddreißigjährigen Heinrich, dem Sohn des Sachsenherzogs Otto. Im Gegensatz zur Schilderung der Quellen, die vor allem Mathildes Schönheit, Frömmigkeit und Bildung als Grund für die Werbung nennen, spielt es sicher auch eine wichtige Rolle, dass Mathilde Heinrich Besitz und durch ihre Verwandtschaftsbeziehungen Einfluss im westlichen Teil Sachsens mit in die Ehe bringt.
Brautwerbung
(Brautwerbung Heinrichs um Mathilde 909. Gemälde von Konrad Astfalck von 1896 in der Volkshochschule, Foto: M. Kunz)
912   Geburt des ersten Sohnes, des späteren Kaisers Ottos I., Heinrich wird Herzog.
Weitere Kinder: die Töchter Gerberga und Hadwig und die Söhne Heinrich und Brun.
919   Wahl Heinrichs zum König.
Als Königin hat Mathilde einen großen Aufgabenbereich in der Organisation des Lebens am Hof, der sich auf ständigen Reisen von Pfalz zu Pfalz befindet, sie erscheint als Bittstellerin in Urkunden z.B. zugunsten der Klöster Herford und Corvey
929   Heinrich regelt seine Nachfolge und stattet Mathilde mit Gütern aus, deren Nutzung sie für die Zeit nach seinem Tod absichern soll.
936   Tod Heinrichs I., Beisetzung in Quedlinburg.
In der langen Zeit der Witwenschaft übernimmt Mathilde vor allem die Verantwortung für die „memoria", d.h. das Gebetsgedenken für die Mitglieder ihrer Familie, insbesondere für ihren verstorbenen Gemahl. Die Gründung eines Konvents in Quedlinburg, das dem Totengedenken für Heinrich dienen soll, führt zu Unstimmigkeiten mit Otto I., sodass Mathilde sich zeitweise auf ihren Familienbesitz in Enger zurückzieht und dort ein Kanonikerstift gründet.
961   Mathilde gründet den Konvent in Nordhausen, dem ihre besondere Aufmerksamkeit und Sorge gilt.
Verwandtschaftstafel
(Verwandtschaftstafel der Ottonen, Salier und Staufer. Chronica S. Pantaleonis Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. Heinrich und Mathilde als Stammpaar im goldenen Kreis. Der Text neben ihr lautet übersetzt: Königin Mathilde, deren Vater aus dem Geschlecht des großen Herzogs von Sachsen, Widukind, stammt...)
968   Tod Mathildes und Beisetzung in Quedlinburg.
    Die Quellen, von denen im Folgenden drei exemplarisch dokumentiert sind, betonen neben Mathildes herausragender Rolle als Stammmutter des Königshauses vor allem ihre exemplarische Frömmigkeit, die sich im Gebet, in ihrer Fürsorge für die Armen und Kranken und ihre Stiftungen zeigen. Mathilde erscheint als Königin, die aber auch das Leben einer Heiligen führt. Regional genießt Mathilde heute noch Verehrung als Heilige. In Herford ist die Erinnerung an sie erhalten im Namen unserer Schule und des Mathilden-Hospitals, ebenso in einem Historiengemälde der Brautwerbung in der Volkshochschule und in einer Darstellung in der Kirche St. Johann Baptist.
   

 

Thietmar von Merseburg. Chronik, Buch l, c.5, c.9:
5. In dieser Zeit erfuhr Heinrich von einer allseits gepriesenen Frau namens Hatheburg. Er verliebte sich in sie und wollte sie besitzen. Sie war die Tochter Erwins, dem größtenteils die Altstadt Merseburgs gehörte. Dieses Erbe hinterließ er seinen beiden Töchtern, da er keinen Sohn hatte. Angezogen von der Schönheit und dem reichen Erbe Hatheburgs ließ er schnell durch Boten um sie werben, indem er sein Wort verpfändete. Er begehrte sie, obwohl er wusste, dass sie als Witwe den Schleier genommen hatte. Rat und Bitten vieler ließen sie weich werden. Sie folgte den Boten, wurde ehrenvoll empfangen und von allen mit respektvoller Zuneigung aufgenommen. Die Hochzeit wurde nach Landessitte gefeiert. Anschließend begab sich der junge Mann mit seiner Frau nach Merseburg, wo er, seinem hohen Rang gemäß, alle Nachbarn einlud und diese mit entwaffnender Zutraulichkeit gewann, so daß sie ihn wie einen Freund liebten und wie ihren Herrn ehrten. ...
9. Der weit verbreitete gute Ruf des jungen Königs erfreute seine Freunde über alle Maßen, seine Feinde allerdings waren tief betroffen. Er pflegte nämlich seine Gefolgsleute zuvorkommend zu behandeln, seine Gegner aber mutig und geschickt aus dem Feld zu schlagen. Inzwischen wurde dem König ein Sohn namens Tammo (Thankmar) geboren. Die Liebe zu seiner Frau erlosch immer mehr. Insgeheim verliebte er sich in ein schönes und reiches adeliges Fräulein namens Mathilde, Bald aber machte er diese seine Neigung öffentlich bekannt, und er gestand auch, daß er sich durch die bisher unerlaubte Ehe stark versündigt habe. Über Verwandte und Gesandtschaften ließ er die Geliebte, eine Tochter Theodrichs und Reinhildes aus dem Geschlecht Widukinds, fragen, ob sie seine Zuneigung erwidern wolle. Da sie wusste, dass Heinrich den Idealvorstellungen eines Mannes entsprach, willigte sie - der Geist und die Gesinnung einer Frau sind leicht zu gewinnen - in eine Heirat ein. Sie war ihm in jeder Beziehung von großem Nutzen. Sie gebar ihm im Laufe der Zeit drei Söhne: Otto, Heinrich und Brun. Sie erzog sie mit glücklicher Hand, so dass die Freude darüber die Schmerzen des Gebärens bei weitem überwog.

(Franz Huf, Thietmar von Merseburg, Chronik l, Kettwig 1990, S.49-54)

   

 

Vita Mathildis Regina antiquior. C. 1-3
Wie er (= Heinrich) nun nach verstrichener Knabenzeit zu männlicher Kraft gelangte und seine Eltern zu Rate gingen, mit welcher Frau, ihm nicht ungleich an Herkunft und Ehre, er sich verbinden solle, da kam ihnen zu Ohren: im Kloster Herford befände sich zur Unterweisung in den Schriften, deren das aktive wie das kontemplative Leben bedarf, ein allerliebstes Mädchen mit Namen Mathilde, deren edle Art nicht minder ausgezeichnet war als die des künftigen Gatten. Sie stammte nämlich aus dem Geschlecht Widukinds, des Herzogs von Sachsen, der einst gefangen war im Irrwahn der Dämonen, aus Mangel an Predigern Idole anbetend Christen unablässig verfolgte. ... Von seinen Nachkommen, nachdem sie sich dem christlichen Bekenntnis ergeben hatten, stammte der Vater des vorgenannten Mädchens mit Namen Tiederich ab, mit welchem die edelste Reinhild, aus friesischem und dänischem Geschlecht, vermählt war.
An dieser Jungfrau, die wie gesagt im Kloster Herford bei der Mutter ihres Vaters weilte - diese hatte derart gute Taten im Witwenstand vollbracht, dass sie zur Leiterin und Äbtissin der Sanktimonialen ernannt worden war -, nicht um zu den Sanktimonialen gezählt zu werden, sondern um durch Bücher und Werke zu Nützlichem erzogen zu werden, hatten edle Herkunft und Rechtschaffenheit gleichen Anteil. Denn von der Ahnen und Eltern Würde strahlte das Abbild in ihr: Schön war sie von Angesicht, lieblich in ihrer Kindlichkeit, eifrig in den Taten, maßvoll in den Sitten, freigebig und, zumal bei solcher Jugend, solcherart Lobes wert durch die Gunst der himmlischen Gnade, dass nichts sie übertraf.
Als Herzog Otto dies erfahren hatte, schickte er den Grafen Thietmar, den Lehrer des jungen Heinrichs, die Jungfrau anzuschauen, ob sie so schön und rühmlich sei, wie man erzählte. Jener aber sah, dass sie wohl würdig der Ehe seines Herrn und der Völker zukünftigen Hoffnung sein werde, kehrte heim und erzählte alles, was er erfahren hatte. Dies hörend sandte der Vater denselben Grafen und weitere Begleiter mit seinem Sohne Heinrich ein zweites Mal dorthin, die das vorgenannte Kloster gemäß dem herzoglichen Befehl betraten; und zwar betraten erst einige von ihnen sich als Unwissende tarnend das Oratorium und betrachteten in demselben Tempel das sittsame und stattliche Mädchen.
Darauf verließen sie die Stadt (= die befestigte Anlage), schmückten sich mit königlichen Gewändern, kehrten dann von einer großer Menge begleitet zurück, suchten die Äbtissin auf und baten sie inständig, dass die Jungfrau, derentwillen sie gekommen waren, ihnen vorgestellt würde. Da trat sie hervor, die schneeweißen Wangen mit dem Rot der Flamme übergossen, als wären glänzende Lilien gemischt mit roten Rosen, solche Farben bot ihr Angesicht. Als Heinrich sie erblickte und die Erscheinung tief empfand, fiel sein Blick auf sie und er entbrannte in einer derartigen Liebe zu ihr, dass die Verlobung keinen Aufschub erlaubte. Daher wurde sie mit Anbruch des nächsten Tages, ohne Wissen der Verwandten mit Ausnahme der Großmutter, die dort Äbtissin war, nicht unter Glocken- und Orgelspiel, sondern in aller Stille mit dem gesamten fürstlichen Gefolge mit allen Ehren in die Heimat der Sachsen geführt, bis in Wallhausen (Kreis Sangershausen) das Hochzeitsmahl vorbereitet worden war, wie es sich für derart adlige und zukünftig königliche Personen geziemte.
Dort endlich genossen sie die erlaubte Liebe und als Morgengabe verlieh er ihr eben diese Stadt mit allem Zubehör.

   

 

Widukind von Corvey. Res gestae Saxonicae. III. c. 74
Die Mutter desselben (gemeint ist die slawische Mutter Erzbischof Wilhelms von Mainz, unehelicher Sohn Ottos I.) war zwar eine Fremde, aber aus edlem Geschlecht entsprossen. Als er gehört hatte, dass die Mutter des Kaisers, eine Frau von wunderbarer Heiligkeit namens Mathilde, erkrankt sei und er auf ihr Leichenbegängnis wartete, ereignete es sich, dass seine eigene Totenfeier der Ihrigen vorausging. Wenn wir nun zu ihrem Lob etwas zu sagen wünschen, so fühlen wir uns zu schwach, weil die Tugend einer solchen Frau alles Können unseres schwachen Geistes übersteigt. Denn wer vermöchte ihre Hingabe an den göttlichen Dienst würdig zu beschreiben? Jede Nacht erfüllte sie ihre Zelle mit dem Wohlklang himmlischer Lieder von jeglicher Weise und Mannigfaltigkeit. Denn sie hatte ganz nahe der Kirche ihre Zelle, in welcher sie ein wenig zu ruhen pflegte; in ihr erhob sie sich jede Nacht und ging in die Kirche, während Sänger und Sängerinnen innerhalb der Zelle und vor der Tür und auf dem Wege in drei Abteilungen aufgestellt waren, um Gottes Huld zu loben und zu preisen. Sie selbst verharrte in der Kirche in Wachen und Beten und erwartete die Feier der Messe. Darauf machte sie, wo sie von Kranken in der Nachbarschaft hörte, bei diesen Besuch und reichte ihnen, was sie brauchten; dann öffnete sie ihre Hand den Armen, auch nahm sie Gäste, an denen niemals Mangel war, mit aller Freigebigkeit auf; niemanden entließ sie ohne ein freundliches Wort und fast keinen ohne ein kleines Geschenk oder die Unterstützung, die ihm not tat. Oft schickte sie Wanderern, die sie von ihrer Zelle aus in der Ferne erblickte, das Nötige hinaus. Und obgleich sie solche Werke demütig Tag und Nacht übte, vergab sie dennoch der königlichen Würde nichts, und wie geschrieben steht: „Obgleich sie saß wie eine Königin unter ihrem Volk, war sie dennoch immer und überall der Klagenden Trösterin." (Hiob 29,25). Alle Diener und Dienerinnen im Haus unterwies sie in verschiedenen Künsten und auch im Lesen und Schreiben; denn sie konnte das, weil sie es nach des Königs Tode recht gut erlernt hat. Wollte ich demnach alle ihre Tugenden aufzählen, so würde die Zeit nicht reichen; wenn ich Homers oder Maros Beredsamkeit besäße, sie würde nicht genügen. So gab sie, reich an Jahren, reich an aller Ehre, reich an allen guten Werken und Almosen, nachdem sie ihren ganzen königlichen Schatz an die Diener und Mägde Gottes, sowie an die Armen verteilt hatte, am 14. März ihre Seele Christo zurück. 

(Albert Bauer, Reinhold Rau, Quellen zur Geschichte der Sächsischen Kaiserzeit, Darmstadt 1971, S.63)